Pflege-Wissen von A bis Z

Pflegebedürftigkeit bei Kindern

Seit dem 1. Januar 2017 ist der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff wirksam und das neue Begutachtungsinstrument umgesetzt. Auf dieser Grundlage kann Pflegebedürftigkeit nun auch bei Kindern besser abgebildet werden.

Bei Kindern ist die Prüfung der Pflegebedürftigkeit in der Regel durch besonders geschulte Gutachterinnen und Gutachter des Medizinischen Dienstes oder andere unabhängige Gutachterinnen und Gutachter mit einer Qualifikation als Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger oder als Kinderarzt vorzunehmen.

Der Pflegegrad wird bei pflegebedürftigen Kindern durch einen Vergleich der Beeinträchtigungen ihrer Selbstständigkeit und ihrer Fähigkeiten mit altersentsprechend entwickelten Kindern ermittelt. Eine Besonderheit besteht bei der Begutachtung von Kindern bis zu 18 Monaten. Kinder dieser Altersgruppe sind von Natur aus in allen Bereichen des Alltagslebens unselbstständig.

Damit diese Kinder einen fachlich angemessenen Pflegegrad erlangen können, werden bei der Begutachtung die altersunabhängigen Bereiche wie „Verhaltensweisen und psychische Problemlagen" und „Umgang mit krankheits-oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen“ einbezogen. Damit kann die pflegerische Unterstützung berücksichtigt werden, die z. B. aufgrund regelmäßiger Besuche beim Kinderarzt bzw. einem Facharzt notwendig ist oder wenn das Kind wegen einer Schluckstörung regelmäßig abgesaugt werden muss. Berücksichtigt wird u. a. auch der Unterstützungsbedarf für Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung, wenn z. B. auf Anweisung des Physiotherapeuten krankengymnastische Übungen zu Hause erforderlich sind und das Kind diese Übungen nicht selbstsständig durchführen kann.

Darüber hinaus wird festgestellt, ob es bei dem Kind gravierende Probleme bei der Nahrungsaufnahme gibt, die einen außergewöhnlich intensiven Hilfebedarf auslösen.

Für die Kinder bis zu einem Alter von 18 Monaten, bei denen sich die Selbstständigkeit aufgrund der Entwicklungsfortschritte ständig ändert, ist für die Einstufung eine Sonderregelung vorgesehen: Sie werden bis zum Erreichen des 18. Lebensmonats per Gesetz einen Pflegegrad höher eingestuft als sie aufgrund ihrer in der Begutachtung erreichten Punktzahl sonst erreichen würden. Damit werden häufige, für die Familien belastende Begutachtungen in den ersten Lebensmonaten vermieden und die Familien werden in den ersten Lebensmonaten besonders unterstützt. Der erhöhte Pflegegrad bleibt ohne weitere Begutachtung bis zum 18. Lebensmonat erhalten, soweit zwischenzeitlich kein Höherstufungsantrag gestellt wird oder aus fachlicher Sicht eine erneute Begutachtung ausnahmsweise empfohlen wird. Eine Wiederholungsbegutachtung ist zum Beispiel dann vorgesehen, wenn relevante Änderungen der Selbstständigkeit des Kindes zu erwarten sind, wie etwa durch eine erfolgreiche Operation einer Lippen-/Kiefer-/Gaumenspalte.

Die Grundlagen zur Begutachtung von Kindern mit dem neuen Begutachtungsinstrument sind in den Begutachtungs-Richtlinien nach § 17 SGB XI, die zum 1. Januar 2017 wirksam wurden, genauer erläutert. Sie können auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbandes (GKV-SV) und des Medizinischen Dienstes der GKV-SV (MDS) heruntergeladen werden. https://www.mds-ev.de/richtlinienpublikationen/richtliniengrundlagen-der-begutachtung/pflegebeduerftigkeit.html

 

 

 

Eine Frau kniet hinter einem Jungen im Rollstuhl. Die beiden schauen sich an. Die Frau macht eine Geste der Stärke mit ihrem Arm

Weitere Informationen

Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

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Pflegegrade und neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff

Fünf Pflegegrade ersetzen seit dem 1. Januar 2017 die bisherigen drei Pflegestufen. Sie ermöglichen es, Art und Umfang der Leistungen der Pflegeversicherung unabhängig von körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen auf die jeweiligen individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse abzustimmen.

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Begutachtung (Pflegeversicherung)

Um Leistungen von der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Sobald der Antrag gestellt wurde, beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere unabhängige Gutachterinnen beziehungsweise Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit.

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Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK)

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist der sozialmedizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

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Infografik-Poster – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Alle Leistungen zum Nachschlagen“

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Broschüre – „Ratgeber Pflege“ - Alles, was Sie zum Thema Pflege und zu den Pflegestärkungsgesetzen wissen müssen

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