Pflege-Wissen von A bis Z

Pflegebedürftigkeit bei Kindern

Wie wird bisher begutachtet?

Bei der Feststellung von Pflegebedürftigkeit bei Säuglingen und Kindern bis zum 12. Lebensjahr gelten bisher einige Besonderheiten: Maßgebend für die Beurteilung des Hilfebedarfs ist nicht der natürliche alterstypische Pflegeaufwand, sondern der darüber hinausgehende Hilfebedarf. Dieser kann zum Beispiel aufgrund einer angeborenen Erkrankung oder Behinderung, einer intensivpflegerischen Behandlung oder einer Operation bestehen. Der Zeitaufwand, der für die Versorgung eines behinderten und kranken Kindes notwendig ist, fällt im Vergleich zu einem gesunden Kind in der Regel höher aus, weil beispielsweise häufigere Mahlzeiten gegeben werden müssen oder weil die Körperpflege sehr aufwändig ist.

Ob ein Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung vorliegt und wie hoch dieser ausfällt, hängt zum einen von diesem zusätzlichen, krankheitsbedingten Pflegebedarf des Kindes als auch vom Mehrbedarf in der hauswirtschaftlichen Versorgung ab.

Bisher werden Pflegeleistungen für Kinder im ersten Lebensjahr nur im Ausnahmefall gewährt, da Säuglinge von Natur aus hilfebedürftig sind. Ein Ausnahmefall liegt vor, wenn begründet wird, dass die Versorgung des Kindes äußerst zeitaufwändig und umfangreich ist. Dies kann z.B. bei Säuglingen mit angeborenen oder früh erworbenen Erkrankungen eines oder mehrerer Organe der Fall sein

Pflegerische Aufwände, die Eltern von schwerstkranken Säuglingen und Kindern z.B. durch besondere Therapiemaßnahmen, häufige Arztbesuche oder komplexe behandlungspflegerische Maßnahmen zu leisten haben, können bei der Feststellung von Pflegebedürftigkeit nach dem gegenwärtigen Pflegebedürftigkeitsbegriff und dem bisherigen Begutachtungsinstrument jedoch nicht angemessen gewürdigt werden.

Was ändert sich ab dem 1. Januar 2017?

Am 1. Januar 2017 wird der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff wirksam und das neue Begutachtungsinstrument umgesetzt. Auf dieser Grundlage kann Pflegebedürftigkeit nun auch bei Kindern besser abgebildet werden.

Bei der Betrachtung und Feststellung von Pflegebedürftigkeit geht es ab 1. Januar 2017 um die Selbständigkeit bzw. die Fähigkeiten eines Menschen in allen relevanten Bereichen des Alltagslebens: Mobilität, kommunikative und kognitive Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen, Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.

Damit werden bei der Feststellung von Pflegebedürftigkeit auch Lebensbereiche in den Blick genommen, die heute weitestgehend ausgeklammert sind: Das sind bei Kindern insbesondere Hilfen und Unterstützungsleistungen, die für die Bewältigung von und den Umgang mit krankheits- und therapiespezifischen Belastungen und Anforderungen notwendig sind, z.B. aufgrund von häufigen Arzt- oder Klinikbesuchen oder weil das Kind wegen einer Schluckstörung regelmäßig abgesaugt werden muss.

Für sehr kleine Kinder (bis zu einem Alter von 18 Monaten), bei denen sich die Selbständigkeit aufgrund der Entwicklungsfortschritte ständig ändert, ist für die Einstufung eine Sonderregelung vorgesehen: Sie werden bis zum Erreichen des 18. Lebensmonats per Gesetz einen Pflegegrad höher eingestuft als sie aufgrund ihrer in der Begutachtung erreichten Punktzahl sonst erreichen würden. Damit werden häufige, für die Familien belastende Begutachtungen in den ersten Lebensmonaten vermieden und die Familien werden in den ersten Lebensmonaten besonders unterstützt. Der erhöhte Pflegegrad bleibt ohne weitere Begutachtung bis zum 18. Lebensmonat erhalten, soweit zwischenzeitlich kein Höherstufungsantrag gestellt wird oder aus fachlicher Sicht eine erneute Begutachtung ausnahmsweise empfohlen wird. Eine Wiederholungsbegutachtung ist zum Beispiel dann vorgesehen, wenn relevante Änderungen der Selbständigkeit des Kindes zu erwarten sind, wie etwa durch eine erfolgreiche Operation einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. 

Die Grundlagen der Einstufung von Kindern mit dem neuen Begutachtungsinstrument sind in den Begutachtungs-Richtlinien nach § 17 SGB XI, die zum 1. Januar 2017 wirksame werden, genauer erläutert. Sie können auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbandes (GKV-SV) und des Medizinischen Dienstes der GKV-SV (MDS) heruntergeladen werden.

Pflegesachleistungen für häusliche Pflege

Pflegebedürftigkeit

In Stufen

Leistungen seit 2015

Max. Leistungen pro Monat in Euro

Pflegebedürftigkeit

In Graden

Leistungen ab 2017

Max. Leistungen pro Monat in Euro

-

-

Pflegegrad 1

**

sog. "Pflegestufe 0"

(mit Demenz*)

231

Pflegegrad 2

689

Pflegestufe I

468

Pflegegrad 2

689

Pflegestufe I

(mit Demenz*)

689

Pflegegrad 3

1.298

Pflegestufe II

1.144

Pflegegrad 3

1.298

Pflegestufe II

(mit Demenz*)

1.298

Pflegegrad 4

1.612

Pflegestufe III

1.612

Pflegegrad 4

1.612

Pflegestufe III

(mit Demenz*)

1.612

Pflegegrad 5

1.612

Härtefall

1.995

Pflegegrad 5

1.995

Härtefall

(mit Demenz*)

1.995

Pflegegrad 5

1.995

 

* Gilt für Personen mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz im Sinne von § 45a SGB XI – das sind vor allem an Demenz erkrankte Menschen.

** Bei Pflegegrad 1 gewährt die Pflegeversicherung Leistungen nach § 28a SGB XI.

Eine Frau kniet hinter einem Jungen im Rollstuhl. Die beiden schauen sich an. Die Frau macht eine Geste der Stärke mit ihrem Arm

Weitere Informationen

Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

Mehr zu Pflegebedürftigkeit

Pflegegrade (neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff)

Ab 1.1.2017 werden 5 Pflegegrade die bisher gültigen Pflegestufen (I bis III und „0“) ablösen.

Mehr zu Pflegegrade (neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff)

Begutachtung (Pflegeversicherung)

Um Leistungen von der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Pflegekasse beauftragt unabhängige Gutachterinnen bzw. Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit.

Mehr zu Begutachtung (Pflegeversicherung)

Medizinischer Dienst der Krankenversicherung

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist der sozialmedizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

Mehr zu Medizinischer Dienst der Krankenversicherung

Überleitung in die Pflegegrade

Alle Pflegebedürftigen werden zum 1. Januar 2017 ohne erneute Begutachtung mindestens in den nächst höheren Pflegegrad übergeleitet. Es gilt: niemand wird schlechter gestellt.

Mehr zu Überleitung in die Pflegegrade

Infografik-Poster – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Alle Leistungen zum Nachschlagen“

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Broschüre – „Ratgeber zur Pflege – Alles was Sie zur Pflege und zum neuen Pflegestärkungsgesetz wissen müssen"

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