Pflege-Wissen von A bis Z

Begutachtungsmodul 5: Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

Worum geht es?

Pflegebedürftige benötigen häufig auch medizinische Versorgung. Das kann die regelmäßige Insulinspritze, das Messen des Blutdrucks oder die regelmäßige Einnahme von Tabletten sein. Was für manche Patientinnen und Patienten zum Alltag gehört, fällt anderen deutlich schwerer und sie sind auf Hilfe angewiesen. Auch bei therapeutischen Anwendungen wie Inhalationen oder beim Aufsuchen von Ärztinnen und Ärzten oder Therapeutinnen bzw. Therapeuten ist der pflegerische Unterstützungsbedarf unterschiedlich hoch.

Wie wird begutachtet?

  • In Modul 5 bewertet die Gutachterin oder der Gutachter den selbständigen Umgang mit krankheits- und therapiebedingten medizinischen Anforderungen.
  • Dazu gehören Medikamenteneinnahmen – auch durch Injektionen – , Messungen von Blutdruck und therapeutische Anwendungen.
  • Auch die Pflege eines künstlichen Darmausgangs oder das regelmäßige Einmalkatheterisieren wird in Modul 5 bewertet.
  • Intravenöse Zugänge müssen oft durch eine Pflegefachkraft versorgt werden.
  • Die notwendige Unterstützung bei regelmäßigen Terminen außer Haus, wie Arztbesuche oder Physiotherapie, gehören ebenso zu Modul 5.
  • Bei allen bewerteten Kriterien ist anzugeben, wie häufig andere Personen bei der jeweiligen Aktivität helfen müssen.
  • Einige Maßnahmen mit hohem Aufwand, wie zum Beispiel die Betreuung bei Beatmung oder Dialyse im häuslichen Bereich, werden höher als etwa die Medikamentengabe bewertet. Die Punktevergabe erfolgt deshalb nach einem anderen Muster als in den vorangegangenen Modulen.

Das Modul im Überblick

Dieses Modul wird nach 16 Kriterien bewertet, die pflegerische und medizinische Aspekte abdecken.

5.1 Medikation
5.2 Injektionen subcutan (s.c.)/intramuskulär (i.m.)
5.3 Versorgung intravenöser Zugänge (zum Beispiel Port)
5.4 Absaugen und Sauerstoffgabe
5.5 Einreibungen oder Kälte- und Wärmeanwendungen
5.6 Messung und Deutung von Körperzuständen
5.7 körpernahe Hilfsmittel
5.8 Verbandwechsel und Wundversorgung
5.9 Versorgung mit Stoma
5.10 Regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden
5.11 Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung
5.12 Zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung
5.13 Arztbesuche
5.14 Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen (bis zu 3 Std.)
5.15 Zeitlich ausgedehnte Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen (länger als 3 Std.)
5.16 Einhaltung einer Diät oder anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften

Modulbewertung

Schweregrad der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der FähigkeitenSumme der Einzelpunkte Modul 5Gewichtete Modulpunkte Modul 5

Keine

00

Geringe

15

Erhebliche

2-310

Schwere

4-515

Schwerste

6-1520


Das Modul fließt mit 20 % in die Berechnung des Pflegegrades ein.

Die Bewertungsskala von Modul 5 unterscheidet sich von den anderen Modulen. Es umfasst eine Reihe medizinisch indizierter Maßnahmen, die sehr unterschiedlich ins Gewicht fallen. Das Modul ist in vier Bereiche aufgeteilt, die zunächst einzeln berechnet werden.

Die Punktewertung in Modul 5

Je nach Komplexität der unter Modul 5 erfassten Maßnahmen gelten unterschiedliche Regeln für die Berechnung des Summenwertes in diesem Modul. Das Modul ist in vier Bereiche aufgeteilt, die zunächst einzeln berechnet werden.

Bereich 1 (5.1-5.7)
Für die Kriterien 5.1–5.7, die überwiegend täglich vorkommen, werden die Häufigkeiten summiert und in einen Tagesdurchschnittswert umgerechnet (bei sieben Tagen pro Woche und 30 Tagen im Monat). Das Zwischenergebnis wird wie folgt gewertet:

Hilfestellung ist insgesamt erforderlich…Einzelpunkte

… keine oder seltener als einmal täglich

0

… mindestens einmal bis maximal dreimal täglich

1

… mehr als dreimal bis maximal achtmal täglich

2

… mehr als achtmal täglich

3


Bereich 2 (5.8–5.11)
Für die Kriterien 5.8–5.11, die überwiegend wöchentlich vorkommen, werden die Häufigkeiten zusammengefasst und in einen Durchschnittswert pro Tag (bei sieben Tagen pro Woche und 30 Tagen im Monat) umgerechnet. Das Zwischenergebnis wird wie folgt gewertet:

Hilfestellung ist insgesamt erforderlich…Einzelpunkte

… keine oder seltener als einmal wöchentlich

0

… ein- bis mehrmals wöchentlich

1

... ein- bis zweimal täglich

2

… mindestens dreimal täglich

3


Bereich 3 (5.12–5.15)
Für die Kriterien 5.12–5.15, die überwiegend mehrmals im Monat vorkommen, wird zwischen zeitintensiveren und weniger zeitintensiven Maßnahmen unterschieden. Für die Kriterien 5.12 und 5.15 wird jede Maßnahme, die monatlich erfolgt, mit 2 Punkten und jede Maßnahme, die wöchentlich erfolgt, mit 8,6 Punkten bewertet. Das Kriterium 5.12 (zeit- und technikintensive Maßnahmen) kann regelmäßig täglich vorkommen, zum Beispiel bei invasiver Beatmung. In diesem Fall werden 60 Punkte berücksichtigt.

Für die Kriterien 5.13 und 5.14 wird jede Maßnahme, die monatlich erfolgt, mit 1 Punkt und jede Maßnahme, die wöchentlich erfolgt, mit 4,3 Punkten bewertet. Die zeitintensiven Kriterien 5.12 und 5.15 werden also wie ein doppelter Aufwand gewertet. Anschließend werden Punkte der Kriterien 5.12 bis 5.15 zu einem Zwischenergebnis zusammengefasst. Das Zwischenergebnis wird wie folgt gewertet:

Summierte PunkteEinzelpunkte

< 4,3

0

4,3– unter 8,6

1

8,6– unter 12,9

2

12,9– unter 60

3

60 und mehr

6


Bereich 4 (5.16)
Das Kriterium 5.16 wird je nach Ausmaß der Beeinträchtigung der Selbständigkeit berücksichtigt.

Hilfestellung ist insgesamt erforderlich…Einzelpunkte

… entfällt, nicht erforderlich oder selbständig

0

… überwiegend selbständig

1

... überwiegend unselbständig

2

… unselbständig

3


Abschließend wird der gewichtete Punktwert für Modul 5 berechnet. Dieser ergibt sich aus der Addition der Einzelpunkte. Der Summe der Einzelpunkte für Modul 5 werden die gewichteten Punkte folgendermaßen zugeordnet:

0 Punkte: gewichteter Punkt = 0
1 Punkt: gewichtete Punkte = 5
2 bis 3 Punkte: gewichtete Punkte = 10
4 bis 5 Punkte: gewichtete Punkte = 15
6 bis 15 Punkte: gewichtete Punkte = 20

Wie sieht ein typisches Fallbeispiel aus?

Beispiel 1

Im ersten Bereich (5.1.-5.7) werden Kriterien erfasst, die wenig Aufwand machen, aber meist mehrfach täglich anfallen. Die 82--jährige Monika Weber hat Bluthochdruck und Diabetes. Die Medikamente kann sie selbst nehmen, bei der Gabe von Insulin und dem Messen ihres Blutzuckers braucht sie jedoch Hilfe.

KriteriumBeispiel Frau WeberWert
Summe 6

5.1 Medikation

dreimal mal täglich Blutdrucksenker, selbständige Einnahme0

5.2 Injektionen s.c./i.m.

dreimal mal täglich Hilfe beim Insulinspritzen3

5.3 Versorgung intravenöser Zugänge

entfällt0

5.4 Absaugen oder Sauerstoffgaben

entfällt0

5.5 Einreibungen, Kälte-/Wärmeanwendungen

entfällt0

5.6 Messung und Deutung von Körperzuständen

dreimal mal täglich Hilfe bei Blutzuckermessung3

5.7 Umgang mit körpernahen Hilfsmitteln

entfällt0


Frau Weber benötigt sechsmal täglich Hilfe, in der Modulberechnung werden deshalb 2 Einzelpunkte für den ersten Bereich einbezogen.

Beispiel 2

Im zweiten Bereich (5.8–5.11) werden Kriterien erfasst, die im Einzelnen aufwendiger sind als die Maßnahmen aus dem vorherigen Bereich, aber nur einmal täglich oder mehrmals wöchentlich vorkommen. Peter Wagner ist 52 Jahre alt und ab der Hüfte querschnittsgelähmt. Er hat einen künstlichen Darmausgang und führt selbständig seine Einmalkatheterisierungen durch.

KriteriumBeispiel Herr WagnerWert
Summe 3/7

5.8 Verbandwechsel/Wundversorgung

entfällt0

5.9 Versorgung bei Stoma

dreimal mal wöchentlich wird die Grundplatte des Stomas gewechselt3/7

5.10 Regelmäßige Einmalkatheterisierung/Nutzung von Abführmethoden

Herr Wagner katheterisiert sich selbst0

5.11 Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung

entfällt0


Herr Wagner braucht mehrmals wöchentlich Hilfe, der zweite Bereich fließt bei ihm daher mit 1 Punkt in die Wertung ein. Bräuchte er zum Beispiel beim Einmalkatheterisieren Hilfe, würden im zweiten Bereich 2 Einzelpunkte (für tägliche Hilfe) berechnet.

Beispiel 3

Im dritten Bereich (5.12–5.15) werden Kriterien erfasst, die einen hohen zeitlichen Aufwand verursachen, aber meist nur einmal wöchentlich oder mehrmals monatlich vorkommen.

Hertha Meier, 68 Jahre alt, hat eine Niereninsuffizienz, sie muss einmal wöchentlich von der Tochter zum Hausarzt im Ort begleitet werden und einmal monatlich in die Nieren-Spezialambulanz in die Großstadt gebracht werden. Mit Fahrt- und Wartezeit ist die Tochter über drei Stunden gebunden.

KriteriumBeispiel Frau MeierWert
Summe 6,3

5.12 Zeitlich ausgedehnte technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung

entfällt0

5.13 Arztbesuche

einmal wöchentlich4,3

5.14 Besuch anderer medizinischer/therapeutischer Einrichtungen (bis zu 3 Std.)

entfällt0

5.15 Zeitlich ausgedehnte Besuche medizinischer/therapeutischer Einrichtungen (länger als 3 Std.)

einmal monatlich2


Der dritte Bereich des fünften Moduls wird bei Frau Meier mit 1 Punkt gewertet.

Weitere Informationen

Begutachtung (Pflegeversicherung)

Um Leistungen von der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Pflegekasse beauftragt unabhängige Gutachterinnen bzw. Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit.

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Pflegegrade (neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff)

Ab 1.1.2017 werden 5 Pflegegrade die bisher gültigen Pflegestufen (I bis III und „0“) ablösen.

Mehr zu Pflegegrade (neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff)

Pflegestärkungsgesetz II, (PSG II)

Eckpfeiler des neuen Gesetzes ist die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, der sich stärker an den Bedürfnissen jedes einzelnen Menschen, an seiner individuellen Lebenssituation und an seinen individuellen Beeinträchtigungen und Fähigkeiten orientiert.

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Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

Mehr zu Pflegebedürftigkeit

Medizinischer Dienst der Krankenversicherung

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist der sozialmedizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

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Infografik-Poster – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Alle Leistungen zum Nachschlagen“

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Broschüre – „Ratgeber zur Pflege – Alles was Sie zur Pflege und zum neuen Pflegestärkungsgesetz wissen müssen"

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Broschüre – „Ratgeber Demenz"

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Infografik – „Berechnung der fünf Pflegegrade"

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