Pflege-Wissen von A bis Z

Begutachtungsmodul 4: Selbstversorgung

Worum geht es?

Wer sich selbst versorgt, muss sich selbst anziehen und selbständig essen und trinken können. Auch die Körperpflege darf nicht zu kurz kommen. In Modul 4 wird begutachtet, ob die Person die anfallenden pflegerischen Tätigkeiten praktisch durchführen kann.

Wie wird begutachtet?

  • In Modul 4 bewertet die Gutachterin oder der Gutachter die Fähigkeit zur selbständigen Körperpflege, die Fähigkeit, selbst zu essen und zu trinken und auf die Toilette zu gehen. Es muss bewertet werden, ob die untersuchte Person die jeweilige Aktivität praktisch durchführen kann. Dabei ist es unerheblich, ob die Beeinträchtigungen der Selbständigkeit aufgrund von Schädigungen somatischer oder mentaler Funktionen bestehen oder ob Teilaspekte bereits in anderen Modulen berücksichtigt worden sind.
  • Im Vorfeld wird erhoben, ob Besonderheiten wie Sondenernährung, Harn- oder Stuhlinkontinenz bestehen.
  • Zur Körperpflege im Bereich des Kopfes gehören das Kämmen, Rasieren und Zähneputzen. Die Gutachterin oder der Gutachter bezieht bei der Begutachtung auch mit ein, ob Zahnprothesen selbst gereinigt werden können.
  • Zur Selbstversorgung gehört auch das Anziehen; die Fähigkeit zur Auswahl situationsgerechter Kleidung hingegen wird in Modul 2 begutachtet.
  • Die Ernährung wird in die Bestandteile mundgerechte Zubereitung und Eingießen von Getränken und Essen und Trinken aufgeteilt und getrennt beurteilt. Diese Aktivitäten werden auch bewertet, wenn die Person über eine Sonde ernährt wird. Es wird dann festgehalten, ob die Person zusätzlich zur Sondennahrung noch isst und trinkt.
  • Zum Toilettengang zählen sämtliche Verrichtungen, die damit im Zusammenhang stehen, also auch das Hinsetzen und Aufstehen und Richten der Bekleidung.
  • Der Umgang mit Inkontinenzprodukten wird ebenfalls in Modul 4 begutachtet. Dazu gehören auch das Leeren von Urin- oder Stomabeuteln. Die Versorgung und Pflege eines Stomas hingegen wird in Modul 5 berücksichtigt.
  • Die Selbständigkeit in diesem Modul wird mittels einer vierstufigen Skala bewertet.

Das Modul im Überblick

Kriterien

4.1 Waschen des vorderen Oberkörpers
4.2 Körperpflege im Bereich des Kopfes
4.3 Waschen des Intimbereichs
4.4 Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare
4.5 An- und Auskleiden des Oberkörpers
4.6 An- und Auskleiden des Unterkörpers
4.7 Mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken
4.8 Essen
4.9 "Trinken"
4.10 "Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls"
4.11 Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter/Urostoma
4.12 Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma
4.13 "Ernährung parenteral oder über Sonde"

Die vierstufige Bewertungsskala in Modul 4 reicht von 0 (selbständig) über 1 (überwiegend selbständig), 2 (überwiegend unselbständig) bis 3 (unselbständig). Das Kriterium 8 Essen zählt dreifach, die Kriterien 9 Trinken und 10 Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls zählen doppelt. Kriterium 13 Ernährung parenteral oder über Sonde wird bei nicht regelmäßiger oder nicht dauerhafter Versorgung mit 0 Punkten bewertet, bei ausschließlicher Sondenernährung mit 3, bei zusätzlicher mit 6 Punkten.

Modulbewertung

Schweregrad der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der FähigkeitenSumme der Einzelpunkte Modul 4Gewichtete Modulpunkte Modul 4

Keine

0-20

Geringe

3-710

Erhebliche

8-1820

Schwere

19-3630

Schwerste

37-5440


Das Modul fließt mit 40 % in die Berechnung des Pflegegrades ein.

Wie sieht ein typisches Fallbeispiel aus?

Nach einem Schlaganfall ist Werner Maier (75 Jahre) Nach einem Schlaganfall ist Werner Maier (75 Jahre) eingeschränkt. Die Gutachterin Frau Fischer beobachtet bei ihrem Besuch, dass er zwar isst und trinkt, seine Frau ihn aber häufig dazu ermutigen muss und auch das Essen für ihn schneidet und ihm Getränke einschenkt. Sie berichtet, dass er auch im Bad Hilfe braucht. Frau Fischer lässt sich die Zahnpflege zeigen. Renate Maier reicht ihrem Mann die Zahnbürste und zeigt ihm, was er tun soll. Mit dieser Demonstration ist er in der Lage, sich selbst die Zähne zu putzen. Frau Fischer notiert sich, dass Herr Maier in fast allen Bereichen überwiegend selbständig ist, nach Aufforderung und mit kleinen Hilfestellungen ist er in der Lage, die Tätigkeiten selbst auszuführen. Das ergibt je einen Punkt bei den Kriterien 1 bis 6 (in Summe 6 Punkte). Essen wird dreifach, Trinken und Toilettengang doppelt bewertet (in Summe 7 Punkte). Nur im Bereich der mundgerechten Essenszubereitung ist Herr Maier überwiegend unselbständig, womit weitere 2 Punkte hinzukommen.

Herr Maier hat 15 Einzelpunkte in Modul 4, dies fließt mit 20 gewichteten Modulpunkten in die Gesamtwertung ein.

Weitere Informationen

Begutachtung (Pflegeversicherung)

Um Leistungen von der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Sobald der Antrag gestellt wurde, beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere unabhängige Gutachterinnen beziehungsweise Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit.

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Pflegegrade und neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff

Fünf Pflegegrade ersetzen seit dem 1. Januar 2017 die bisherigen drei Pflegestufen. Sie ermöglichen es, Art und Umfang der Leistungen der Pflegeversicherung unabhängig von körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen auf die jeweiligen individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse abzustimmen.

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Pflegestärkungsgesetz II, (PSG II)

Durch das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) gelten seit 2017 grundlegende Veränderungen und Verbesserungen im Pflegesystem für Pflegebedürftige, Angehörige sowie Pflegekräfte. Eckpfeiler des Gesetzes ist die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs.

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Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

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Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK)

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist der sozialmedizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

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Infografik-Poster – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Alle Leistungen zum Nachschlagen“

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Broschüre – „Ratgeber zur Pflege – Alles was Sie zur Pflege und zum neuen Pflegestärkungsgesetz wissen müssen"

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Broschüre – „Ratgeber Demenz"

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Infografik – „Berechnung der fünf Pflegegrade"

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