Pflege-Wissen von A bis Z

Begutachtungsmodul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

In Modul 3 erfasst die Gutachterin oder der Gutachter, ob und mit welcher Häufigkeit die pflegebedürftige Person Verhaltensweisen und psychische Problemlagen zeigt, die als Folge von Gesundheitsproblemen immer wieder auftreten. Verhaltensauffälligkeiten können als Folge von äußeren Einflüssen oder als Begleitsymptome anderer Erkrankungen auftreten. Bei der Einschätzung geht es vor allem um die Frage, inwieweit die Person ihr Verhalten ohne personelle Unterstützung steuern kann. Die Gutachterin oder der Gutachter bewertet dabei nicht nur den aktuellen Zustand, sondern muss hier auch die Angaben der Pflegepersonen zu den Verhaltensauffälligkeiten in den letzten Wochen und Monaten einbeziehen.

Wie wird begutachtet?

  • In Modul 3 geht es um Selbststeuerung. Gibt es Auffälligkeiten? Schädigt der Mensch sich oder andere durch Aggression, ist er depressiv oder leidet unter Ängsten?
  • Auch Aggressionen sind psychische Problemlagen, sie können sowohl verbal als auch nonverbal auftreten.
  • Wichtig für die Begutachtung und die anschließende Bewertung ist immer, ob aufgrund der Verhaltensweisen personelle Unterstützung erforderlich ist.
  • Auch in diesem Modul wird eine vierstufige Bewertungsskala verwendet. Bewertet wird die Häufigkeit des Auftretens von Symptomen mit personellem Unterstützungsbedarf.

Das Modul im Überblick

Kriterien

3.1 Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten
3.2 Nächtliche Unruhe
3.3 Selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten
3.4 Beschädigen von Gegenständen
3.5 Physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen
3.6 Verbale Aggression
3.7 Andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten
3.8 Abwehr pflegerischer oder anderer unterstützender Maßnahmen
3.9 Wahnvorstellungen
3.10 Ängste
3.11 Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage
3.12 Sozial inadäquate Verhaltensweisen
3.13 Sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen

Die vierstufige Skala reicht von nie oder sehr selten vorkommenden (0) bis zu täglichem Auftreten (5). Als selten (1) wird eine Auffälligkeit, die nur ein- bis dreimal innerhalb von zwei Wochen auftritt, bewertet, als häufig (3) gelten Verhaltensweisen, die zwei- bis mehrmals wöchentlich auftreten.

Modulbewertung

Schweregrad der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der FähigkeitenSumme der Einzelpunkte Modul 2Summe der Einzelpunkte Modul 3Gewichtete Punkte Module 2/3

Keine

0-100

Geringe

2-51-23,75

Erhebliche

6-103-47,5

Schwere

11-165-611,25

Schwerste

17-337-65 15


Aus den Modulen 2 und 3 fließt immer nur der jeweils höhere gewichtete Punktwert mit 15 % in die Berechnung des Pflegegrades ein.

Wie sieht ein typisches Fallbeispiel aus?

Maria Wagner ist 72 Jahre alt und an Demenz erkrankt. Sie kann ihren Alltag mit der Hilfe ihres Mannes Jürgen noch gut bewältigen. Im Gespräch zeigt Frau Wagner selbst keine Auffälligkeiten. Erst durch den Mann Jürgen Wagner erfährt die Gutachterin Petra Fischer, dass Frau Wagner sich außerhalb des Hauses nicht mehr auskennt. Er berichtet außerdem von verbalen Aggressionen und aggressivem Verhalten den Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegekräften gegenüber, welches durch beruhigende Ansprache unterbrochen werden kann. Frau Fischer könnte das Verhalten als Abwehr pflegerischer oder anderer unterstützender Maßnahmen einordnen. Da es sich aber nicht nur gegen Pflegekräfte richtet, sondern generell vorkommt, ordnet sie es als verbale Aggression ein. Auch wenn Herr Wagner unter dem aggressiven Verhalten leidet, kommt es glücklicherweise nicht wöchentlich vor und wird von Frau Fischer deshalb als selten eingestuft.

Frau Wagner hat in der Summe 1 Punkt in Modul 3 und ebenfalls 1 Punkt in Modul 2. Gewertet wird hier nur das Modul mit den höheren gewichteten Modulpunkten, in diesem Fall also Modul 3 mit 3,75 gewichteten Modulpunkten.

Weitere Informationen

Begutachtung (Pflegeversicherung)

Um Leistungen von der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Sobald der Antrag gestellt wurde, beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere unabhängige Gutachterinnen beziehungsweise Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit.

Mehr zu Begutachtung (Pflegeversicherung)

Pflegegrade und neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff

Fünf Pflegegrade ersetzen seit dem 1. Januar 2017 die bisherigen drei Pflegestufen. Sie ermöglichen es, Art und Umfang der Leistungen der Pflegeversicherung unabhängig von körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen auf die jeweiligen individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse abzustimmen.

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Pflegestärkungsgesetz II (PSG II)

Durch das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) gelten seit 2017 grundlegende Veränderungen und Verbesserungen im Pflegesystem für Pflegebedürftige, Angehörige sowie Pflegekräfte. Eckpfeiler des Gesetzes ist die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs.

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Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

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Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK)

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist der sozialmedizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

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Infografik-Poster – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Alle Leistungen zum Nachschlagen“

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Broschüre – „Ratgeber Pflege“ - Alles, was Sie zum Thema Pflege und zu den Pflegestärkungsgesetzen wissen müssen

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Broschüre – „Ratgeber Demenz"

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Infografik – „Berechnung der fünf Pflegegrade"

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