Pflege-Wissen von A bis Z

Begutachtungsmodul 2: kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Während es in Modul 1 ausschließlich um motorische, also körperliche Fähigkeiten geht, werden im zweiten Begutachtungsmodul kognitive und kommunikative Fähigkeiten begutachtet. Zum einen geht es um kognitive Funktionen und Aktivitäten, wie beispielsweise das Erkennen, Entscheiden oder Steuern, und nicht um die motorische Umsetzung. Ist die Person in der Lage, sich mit der Umwelt auszutauschen: Kann der Mensch mit seinen Mitmenschen kommunizieren? Erkennt er sie? Kann er sich räumlich und zeitlich orientieren und – wichtig für die Alltagsbewältigung – kann er Situationen bewerten, Gefahren erkennen und Bedürfnisse kommunizieren?

Wie wird begutachtet?

  • In Modul 2 geht es unter anderem um die Fähigkeiten, sich räumlich und zeitlich zu orientieren, sich zu beteiligen und eigene Alltagsentscheidungen zu treffen.
  • Beim Hausbesuch wird sich die Gutachterin oder der Gutachter ein Bild von den geistigen Fähigkeiten des Gegenübers machen.
  • Da das Thema eine hohe Sensibilität erfordert, wird sie oder er dabei behutsam vorgehen und insbesondere im Gespräch feststellen, welche Fähigkeiten vorhanden sind und wo möglicherweise eine Beeinträchtigung vorliegt.
  • Die Bewertungsskala in Modul 2 verwendet eine vergleichbare Abstufung wie in den anderen Modulen, sie bewertet aber nicht Selbständigkeit, sondern das Vorhandensein einer Fähigkeit.

Das Modul im Überblick

Kriterien

2.1 Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld
2.2 Örtliche Orientierung
2.3 Zeitliche Orientierung
2.4 Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen
2.5 Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen
2.6 Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben?
2.7 Verstehen von Sachverhalten und Informationen
2.8 Erkennen von Risiken und Gefahren
2.9 Mitteilen von elementaren Bedürfnissen
2.10 Verstehen von Aufforderungen?
2.11 Beteiligen an einem Gespräch

Modulbewertung

Schweregrad der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der FähigkeitenSumme der Einzelpunkte Modul 2Summe der Einzelpunkte Modul 3Gewichtete Punkte Module 2/3

Keine

0-100

Geringe

2-51-23,75

Erhebliche

6-103-47,5

Schwere

11-165-611,25

Schwerste

17-337-65 15


Aus den Modulen 2 und 3 fließt immer nur der jeweils höhere gewichtete Punktwert mit 15% in die Berechnung des Pflegegrades ein.

Das Bewertungssystem für Modul 2

Das Bewertungssystem ist ähnlich wie in den anderen Modulen, allerdings wird in Modul 2 keine Aktivität, sondern eine geistige Funktion beurteilt. Das Ergebnis wird – je nach Ausprägung – in einer Bewertungsskala folgendermaßen abgebildet:

Eine Fähigkeit ist

  • vorhanden/unbeeinträchtigt (0), wenn die Fähigkeit (nahezu) vollständig vorhanden ist.
  • größtenteils vorhanden (1), die Fähigkeit ist überwiegend (die meiste Zeit über, in den meisten Situationen), aber nicht durchgängig vorhanden. Die Person hat Schwierigkeiten, höhere oder komplexere Anforderungen zu bewältigen, beispielsweise, wenn im Rahmen von Alltagsroutinen oder in zuvor besprochenen Situationen Entscheidungen getroffen werden können, die Person aber Schwierigkeiten in unbekannten Situationen hat.
  • in geringem Maße vorhanden (2), die Fähigkeit ist stark beeinträchtigt, aber erkennbar vorhanden. Die Person hat häufig oder in vielen Situationen Schwierigkeiten. Sie kann nur geringe Anforderungen bewältigen. Es sind Ressourcen vorhanden, etwa wenn die Person zwar Entscheidungen trifft, diese aber meist nicht geeignet sind, ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
  • nicht vorhanden (3), die Fähigkeit ist nicht oder nur in sehr geringem Maße (sehr selten) vorhanden. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Person Entscheidungen auch mit Unterstützung nicht mehr oder nur selten treffen kann.

Wie sieht ein typisches Fallbeispiel aus?

Die Gutachterin Petra Fischer kommt heute zu Maria Meyer, 78 Jahre alt, die an Demenz erkrankt ist. Frau Meyer lebt allein. Als Frau Fischer das Grundstück des kleinen Einfamilienhauses betritt, kommt Frau Meyer zur Tür. Sie öffnet und grüßt die Nachbarin, die im Vorgarten Blumen gießt. Während sie an der Küche vorbeilaufen, sieht Frau Fischer, dass ein kleiner Fernseher auf der Arbeitsplatte steht, in dem gerade Nachrichten laufen. Im Gespräch unterhalten sich die beiden über die Krankheit und zurückliegende Arztbesuche. Frau Fischer stellt aber auch Fragen nach dem verstorbenen Wolfgang Meyer, der Hochzeit und den Enkeln.

Frau Meyer ist noch gut in der Lage, ihre unmittelbaren Bedürfnisse zu kommunizieren. Sie versteht Aufforderungen und kann die alltäglichen Entscheidungen selbst treffen. Bei der zeitlichen und räumlichen Orientierung hat sie hingegen Probleme. Je weiter die Dinge zurückliegen, desto leichter fällt es ihr, die Ereignisse in eine Chronologie zu bringen, auf die Frage, wen sie gerade gegrüßt habe oder was im Fernsehen lief, als Frau Fischer kam, antwortet sie ausweichend. Frau Fischer zeigt auf die Nachbarin, die durchs Fenster zu sehen ist. Frau Meyer kann sich nicht erinnern, wer das ist. Die meisten Fähigkeiten von Frau Meyer in Modul 2 sind unbeeinträchtigt. Das Erkennen von Personen, Verstehen von Sachverhalten und Information und die örtliche und zeitliche Orientierung sind jedoch nur größtenteils vorhanden.

Frau Meyer hat 4 Einzelpunkte in Modul 2, in Modul 3 hat sie keine Einzelpunkte. In die Gesamtwertung fließen die Module 2 und 3 daher mit 3,75 gewichteten Modulpunkten ein.

Weitere Informationen

Begutachtung (Pflegeversicherung)

Um Leistungen von der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Pflegekasse beauftragt unabhängige Gutachterinnen bzw. Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit.

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Pflegegrade (neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff)

Ab 1.1.2017 werden 5 Pflegegrade die bisher gültigen Pflegestufen (I bis III und „0“) ablösen.

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Pflegestärkungsgesetz II, (PSG II)

Eckpfeiler des neuen Gesetzes ist die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, der sich stärker an den Bedürfnissen jedes einzelnen Menschen, an seiner individuellen Lebenssituation und an seinen individuellen Beeinträchtigungen und Fähigkeiten orientiert.

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Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

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Medizinischer Dienst der Krankenversicherung

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist der sozialmedizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

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Infografik-Poster – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Alle Leistungen zum Nachschlagen“

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Broschüre – „Ratgeber zur Pflege – Alles was Sie zur Pflege und zum neuen Pflegestärkungsgesetz wissen müssen"

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Broschüre – „Ratgeber Demenz"

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Infografik – „Berechnung der fünf Pflegegrade"

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