Pflege-Wissen von A bis Z

Begutachtungsmodul 1: Mobilität

Im ersten Modul des Begutachtungsinstruments werden ausschließlich die motorischen Fähigkeiten der Person begutachtet. Die Gutachterin oder der Gutachter wird verschiedene Funktionsprüfungen durchführen, etwa um zu beurteilen, ob die Person allein aufstehen, sich umsetzen oder gehen kann. Dabei geht es nur um die körperlichen Aspekte wie Kraft, Balance und Koordination. Können die Bewegungen eigentlich ausgeführt werden, sind aber nicht zielgerichtet, fließt dies nicht in das erste Modul ein. Hier werden demnach nicht die Folgen kognitiver Beeinträchtigungen auf Planung, Steuerung und Durchführung motorischer Handlungen abgebildet.

Wie wird begutachtet?

  • In Modul 1 geht es um die Mobilität der pflegebedürftigen Person. Kann sie ohne personelle Unterstützung eine bestimmte Körperhaltung einnehmen und wechseln und sich eigenständig fortbewegen?
  • Bei einem Hausbesuch kann sich die Gutachterin oder der Gutachter vom Zustand der pflegebedürftigen Person überzeugen.
  • Für die Bewertung der motorischen Fähigkeiten ist es unerheblich, ob sie im Alltag der versicherten Person eine Rolle spielen, beispielsweise ob Treppen tatsächlich bewältigt werden müssen.
  • Es können auch Hilfsmittel eingesetzt werden. Ist die antragstellende Person in der Lage, die jeweilige Tätigkeit mit Hilfsmitteln ohne personelle Unterstützung auszuführen, gilt sie als selbständig.

Zudem trifft die Gutachterin oder der Gutachter Feststellungen darüber, ob eine besondere Bedarfskonstellation vorliegt, also ob eine Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und beider Beine vorliegt. Ist dies der Fall, wird die versicherte Person unabhängig vom Erreichen des Schwellenwertes von 90 Punkten dem Pflegegrad 5 zugeordnet.

Das Modul im Überblick

Kriterien

1.1 Positionswechsel im Bett?
1.2 Halten einer stabilen Sitzposition?
1.3 Umsetzen
1.4 Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs
1.5 Treppensteigen

Die vierstufige Skala in Modul 1 reicht von 0 (selbständig) über 1 (überwiegend selbständig), 2 (überwiegend unselbständig) bis 3 (unselbständig).

Modulbewertung

Schweregrad der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der FähigkeitenSumme der Einzelpunkte Modul 1Gewichtete Modulpunkte Modul 1

Keine

0-10

Geringe

2-32,5

Erhebliche

4-55

Schwere

6-97,5

Schwerste

10-1510


Das Modul fließt mit 10 % in die Berechnung des Pflegegrades ein.

Wie sieht ein typisches Fallbeispiel aus?

Renate Becker ist 50 Jahre alt und an multipler Sklerose erkrankt. Vor 15 Jahren hatte sie ihren ersten Schub. Als die Gutachterin Petra Fischer sie besucht, ist sie seit einem halben Jahr schubfrei; doch die Krankheit hat Spuren hinterlassen. Frau Becker leidet unter Tremor und Lähmungen im Bein.

Frau Becker und ihr Mann führen Frau Fischer durch das Einfamilienhaus. Renate Becker bewegt sich etwas unsicher und geht auf einen Stock gestützt, aber allein. Nur an der Treppe wartet sie auf ihren Mann, der sie beim Treppensteigen stützen muss. Frau Fischer kreuzt deshalb im Kriterium 1.5 "überwiegend unselbständig" an. Sie hätte das Treppensteigen auch bewertet, wenn im Haus gar keine Treppe vorhanden gewesen wäre. Bei den anderen Kriterien ist Frau Becker selbständig.

Frau Becker hat 2 Einzelpunkte in Modul 1. In die Gesamtwertung fließt das erste Modul daher mit 2,5 gewichteten Modulpunkten ein.

Weitere Informationen

Begutachtung (Pflegeversicherung)

Um Leistungen von der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Pflegekasse beauftragt unabhängige Gutachterinnen bzw. Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit.

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Pflegegrade (neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff)

Ab 1.1.2017 werden 5 Pflegegrade die bisher gültigen Pflegestufen (I bis III und „0“) ablösen.

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Pflegestärkungsgesetz II, (PSG II)

Eckpfeiler des neuen Gesetzes ist die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, der sich stärker an den Bedürfnissen jedes einzelnen Menschen, an seiner individuellen Lebenssituation und an seinen individuellen Beeinträchtigungen und Fähigkeiten orientiert.

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Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

Mehr zu Pflegebedürftigkeit

Medizinischer Dienst der Krankenversicherung

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist der sozialmedizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

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Infografik-Poster – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Die Pflegestärkungsgesetze“

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Broschüre – „Alle Leistungen zum Nachschlagen“

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Broschüre – „Ratgeber zur Pflege – Alles was Sie zur Pflege und zum neuen Pflegestärkungsgesetz wissen müssen"

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Broschüre – „Ratgeber Demenz"

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Infografik – „Berechnung der fünf Pflegegrade"

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