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Reportage Gaby Richter Zur Startseite
Auf dem Bild sind eine ältere Dame und die Betreuungskraft Gaby Richter an einem Tisch an einem Fenster zu sehen. Die ältere Dame sitzt in der Sonne, hebt den linken Arm und zeigt nach draußen. Gaby Richter hat ihren Arm um die ältere Dame gelegt und schaut sie an.

Das kommt von Herzen

Bis zu 20.000 neue Betreuungskräfte können seit Jahreswechsel die Pflege verstärken. Gaby Richter ist eine von ihnen. Die 50-Jährige war früher Fernfahrerin – bis sie eine alte Frau am Straßenrand traf, die ihr Leben für immer verändern sollte.

Auf dem Bild sind die lachenden Gaby Richter und Edeltraut Wollin zu sehen. Richter fasst die liegende Wollin an deren ausgestreckten Armen an.

Die Tür öffnet sich und Gaby Richter betritt das Pflegezimmer wie eine Bühne: „Tattaaa“. Edeltraut Wollin mag eigentlich keinen Besuch. Aber als sie die neue Betreuungskraft sieht, erwartungsvoll mit ausgestreckten Armen verharrend, muss die 90-Jährige doch schmunzeln. „Ach, Sie kriegen mich auch immer wieder damit“, sagt sie. Bis vor Kurzem hat Frau Wollin mit kaum jemandem auf der Station gesprochen, nur manchmal so geschimpft, dass man es auf der ganzen Etage hören konnte. Aber gegenüber Gaby Richter öffnet sie sich. „Jedes Mal wenn ich sie besuche, albere ich rum“, sagt Richter – und fügt lächelnd hinzu:Irgendwann konnte sie mich einfach nicht mehr ignorieren. Mittlerweile vergeht kein Tag, an dem die alte Dame nicht nach ihr fragt. „Und genau dafür bin ich hier.“

Bundesminister Hermann Gröhe über die neuen Betreuungskräfte

Das Bild zeigt eine ätere Frau, die mit ihrem Rollator durch den Flur läuft. Gaby Richter hält derweil ihre Hand und begleitet sie.

Glücksbringer auch in den Spätschichten

Gaby Richter ist eine von 20.000 neuen Betreuungskräften, die in Folge des Ersten Pflegestärkungsgesetzes seit Jahresbeginn eingestellt werden können. Früher gab es in Richters Pflegeheim in Berlin-Friedrichshain fünf Beutreuungskräfte für alle Bewohner. Jetzt sind sie zu zehnt. „Das bedeutet, wir können neben der Früh- jetzt auch immer die Spätschicht besetzen und zudem am Wochenende da sein.“ Vor allem für das seelische Wohlbefinden der Bewohner sei dies eine riesige Bereicherung. Denn während die Pflegekräfte sich vorrangig um die Essensversorgung und die körperliche Pflege der Bewohner kümmern müssen, können sich Betreuungskräfte die Zeit nehmen, mit den Pflegebedürftigen spazieren zu gehen oder ein Fotoalbum anzuschauen. Eine Bewohnerin sagt über die Betreuungskräfte: Das sind unsere Glücksbringer.

Was unterscheidet Pflege- und Betreuungskräfte?

Pflegestärkungsgesetz 1 ermöglicht: Bis zu 20.000 zusätzliche Betreuungskräfte.

Das Bild von früher zeigt Gaby Richter in der Fahrerkabine ihres LKWs

Allein mit dem CB-Funk

Die 50-jährige Gaby Richter war nicht immer in der Pflege tätig. „Früher habe ich etwas mit Literatur gemacht“, sagt sie und lacht. Als Fernfahrerin hat sie Bücher für einen Verlag ausgeliefert. Für eine Frau sei es nicht gerade leicht gewesen, in der Trucker-Szene akzeptiert zu werden. „Viel geredet habe ich da nicht, nur über CB-Funk“, erinnert sie sich. Das entspreche aber eigentlich gar nicht ihrer Natur. Als Kind ist Gaby Richter in ihrer Heimatstadt Elsterwerda immer viel unterwegs gewesen, hat mit jedem geklönt. Für ältere Nachbarn ging sie einkaufen und hörte ihren Geschichten von früher zu. Im Lkw habe ich mich dann aber irgendwann selbst aus den Augen verloren.

Zahlreiche Bewohner nehmen im Festsaal an der wöchentlichen Veranstaltung Sang und Klang teil. Frau Richter, die diese Veranstaltung mit betreut, gesellt sich dabei zu einer Gruppe älterer Damen und wirft einen Blick in deren Liedblatt.

Ein Job fürs Leben

Anschließend fasste Gaby Richter den Entschluss, in der Altenbetreuung anzufangen. „Das kam ganz von Herzen.“ Sie ging einfach zu dem erstbesten Pflegeheim bei ihr um die Ecke und sagte: Hier bin ich, wollt ihr mich einstellen? Die Heimleitung gab ihr eine Chance. Zuerst arbeitete die ehemalige Truckerin nur ehrenamtlich, dann als Wohnbereichshilfe. Im vergangenen Jahr machte sie die Weiterqualifizierung zur Beutreuungskraft und trat zum 1. Januar ihre Stelle in dem neuen Pflegeheim an. Auf ihrer Facebook-Seite postete sie kurz danach: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr arbeiten.“

Was muss man als Betreuungskraft mitbringen? 3 Perspektiven:

Die Pflegeheimleiterin

Was muss man als Betreuungskraft mitbringen? 3 Perspektiven:

Die Pflegedienstleiterin

Was muss man als Betreuungskraft mitbringen? 3 Perspektiven:

Die Betreuungskraft

Das Bild zeigt Gaby Richter im Park

Auch privat beschäftigt sich Richter viel mit ihrem Beruf. „Abends frage ich mich oft: Habe ich im Gespräch mit diesem oder jenen Bewohner richtig reagiert, habe ich irgendetwas übersehen, auf wen muss ich morgen besonders achten?“ Manchmal bereitet sie auch ein Betreuungsangebot für den kommenden Tag vor. Oder übt Obstschnitzen. „Ältere Menschen essen oft nur ungerne Obst“, erklärt sie. „Aber ich habe festgestellt, dass sie es annehmen, wenn ich es schön herrichte.“ Daraus ist mittlerweile eine richtige Kunst geworden – mit Schwänen aus Äpfeln und Blumen aus Kiwis. Einmal in der Woche bietet sie sogar Obstschnitzkurse an. Ein weiteres Highlight sind die regelmäßigen Ausflüge zu den Bingo-Abenden am anderen Ende der Stadt. „Ich fahre einfach immer noch manchmal gerne Auto“, erklärt sie. „Alte Menschen sind dabei aber viel besseres Gepäck als Literatur“, sagt sie und fügt hinzu: Anders als Bücher singen die nämlich während der Fahrt.

Kunstwerke des Alltags

Als Betreuungskraft ist Gaby Richter von früh bis spät mit den vielfältigsten Aufgaben beschäftigt und dabei immer in Kontakt mit den Bewohnern: Sie führt persönliche Gespräche, leitet verschiedene Kurse oder geht mit einzelnen Pflegebedürftigen im Garten der Einrichtung spazieren.

Das Bild zeigt wie sich eine ältere Dame und Gaby Richter bei Kaffee und Kuchen unterhalten

Start in den Tag: Schon beim Frühstück sorgt Gaby Richter für gute Laune.

Das Bild zeigt Gaby Richter und eine ältere Dame in einem Garten. Beide schauen nach oben

Zeit für Spaziergänge: Frische Luft und Impulse aus der Natur können aktivierend wirken.

Das Bild zeigt eine pflegebedürftige ältere Dame, die Gemüstesticks zusammensteckt

Kreativ und Konzentriert: Beim Obstschnitzen wird die Feinmotorik trainiert und Appetit auf Obst geweckt.

Das Bild zeigt einen Teller mit Apfelschnitzen, die so ineinander gesteckt sind, dass sie einen Schwan ergeben

Schwan aus Äpfeln: Das neue Freizeitprogramm fördert die Kreativität – und so manches Kunstwerk zutage.

Das Bild zeigt eine Gruppe von Menschen, die auf Fahrstühle warten. Gaby Richter lehnt sich in der ersten Reihe vor dem Fahrstuhl auf einen Rollstuhl, in dem eine ältere Dame sitzt

Nach dem Ausflug: Gemeinsame Aktivitäten sind dank vieler Helfer möglich.

Das Bild zeigt eine verschmitzt lächelnde Dame, die Gaby Richter ansieht

„Erzähl mal von früher“: Mehr Betreuung heißt auch mehr Zeit für persönliche Gespräche.